Scholien

Medieninvestoren

2. Oktober 2015

Ein neuer Typus des Investors scheint aufzukommen, bei dem es nicht mehr bloß um Mittelzufluss, sondern vielmehr um Aufmerksamkeitszufluss geht. Es kristallisieren sich bestimmte Medieninvestoren heraus, deren Investment Medienaufmerksamkeit bedeutet. Die Entwicklung scheint im Silicon Valley begonnen zu haben, wo einige Investoren Medienpersönlichkeiten mit großem Portfolio sind. Diese bekommen Anteile an Start-ups schon allein dafür, sich zu beteiligen und damit Aufmerksamkeit auf das junge ...

Crowdfunding als Markt-Demokratie?

28. September 2015

Crowdfunding, das Sammeln vieler kleiner Beiträge von Privatleuten, ist der letzte Schrei. In Zeiten klammer Kreditvergabe trotz Finanzüberfluss schimmert hier eine Hoffnung für Kleinunternehmer auf. Die Hoffnung ist groß: nämlich unter Umgehung der Banken und dennoch Erlaubnis der Finanzmarktaufsicht neue Wege der Finanzierung zu eröffnen, die das schiefe Spielfeld etwas zurechtrücken könnten. Die künstlichen Skaleneffekte der Kreditaufblähung nähren Großkonzerne, während Kleinunternehmer kaum mehr an ...

Gap years und Freiwilligendienste als Ausdruck der Sinnsuche

24. September 2015

Im Zuge der Bologna-Reform sind die Entscheidungsschwierigkeiten und Lücken in den Bildungslaufbahnen gewachsen: Schulabgänger fühlen sich durch die internationale Auswahl bei wachsenden Zweifeln am Herkömmlichen und dem Druck zu Zusatzqualifikationen bei Bildungs- und Karriereentscheidungen massiv überfordert, nach dem Bachelor-Abschluss nehmen die Wartezeiten und Zweifel vor Anschluss des Master-Programms zu, und nach dem Master sieht sich die „Generation Praktikum" erst recht zweifelnd und verzweifelnd. Daher ...

Eine Anthropologie des Wohlfahrtsstaates

20. September 2015

Seit Anbeginn des Wohlfahrtsstaates warnen Ökonomen vor Finanzierungsproblemen und einer Verschuldungsspirale. Warum konnten diese Argumente bislang nicht überzeugen? Für die meisten Menschen ist der Wohlfahrtsstaat eine anthropologische und moralische Notwendigkeit, daher beeindrucken ökonomische Argumente kaum. Der Mensch kommt als das lebensunfähigste Tier auf die Welt und erfährt von klein auf Abhängigkeit und Fürsorgeverantwortung. Als soziale Wesen empfinden wir instinktiv, dass es gelegentlich nötig ist, ...

Geschichte der Geldordnung

16. September 2015

Im Stift Seitenstetten trafen sich Engagierte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, die sich der Reform des Geldsystems verschrieben haben. Mir gedachte man die – freilich unmögliche – Aufgabe zu, eine kurze Einführung in die Geldgeschichte zu geben. Geldgeschichten lassen sich viele in Kürze und Würze erzählen, doch hat dies stets den Preis einer gewissen Einseitigkeit. Es ist der verhängnisvolle Irrtum des Historismus, dass die ...